30. Mai 2026

Eine diplomierte Pflegekraft schrieb mir zu meinem letzten Beitrag einen kritischen Kommentar zum Thema Akademisierung der Pflege.

Und genau das finde ich wichtig: offene Diskussionen ohne persönliche Angriffe.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle eines ganz klar sagen:
Ich möchte keine Berufsgruppe diskriminieren.
Weder akademisierte Pflegekräfte noch klassische Fachpflegekräfte.
Ich kritisiere keine Menschen.
Ich kritisiere Systeme, die aus meiner Sicht im klinischen Alltag nicht mehr zuverlässig funktionieren.
Mein Blick auf das Gesundheitswesen entstand nicht am Schreibtisch, sondern über Jahrzehnte direkt im praktischen Einsatz:
in der Intensivmedizin, der Anästhesie, im Rettungsdienst und im internationalen Patiententransport.
Dabei habe ich gelernt:
Ein funktionierendes Gesundheitssystem braucht keine Grabenkämpfe zwischen Theorie und Praxis.
Es braucht Menschen, die bereit sind, voneinander zu lernen.
Menschen, die praktische Erfahrung ernst nehmen.
Und Menschen, die gleichzeitig offen für wissenschaftliche Entwicklung bleiben.
Genau deshalb halte ich die Diskussion über Ausbildung, Verantwortung und praktische Handlungskompetenz für so wichtig.
Denn am Ende geht es nicht um Titel.
Sondern um die Frage:
Wie schaffen wir ein Gesundheitssystem, das auch in Zukunft noch funktioniert?

Ingo Wahlster meine erste Frage wäre: würden Sie das für den Arztberuf genauso sehen?
2. Frage: wie kommen Sie darauf, dass es akademisierten Fachpflegenden an Praxisnähe, Verantwortung, echtem Verständnis für klinische Abläufe fehlt, dass sie nicht mitdenken (was auch immer darunter verstanden wird) und in komplexen Situationen nicht vernünftig handeln?
Fachpflege ist Bildung und die erreicht man durch kritisches Denken und das lernt man im Studium.
Der Blick in andere Länder zeigt, dass die Akademisierung der Fachpflege überfällig ist. Einfach mal die Perspektive erweitern und über den Tellerrand gucken.
Das Märchen von den akademisierten Fachpflegenden mit Klemmbrett ist genauso falsch wie das Bild von den Fachpflegenden mit Steckbetten


Mir sind im Laufe meines Berufslebens zwei Dinge begegnet:
Es gibt hervorragend ausgebildete Akademiker — und es gibt Akademiker, die manchmal noch etwas dazulernen sollten. 😉
Das gilt allerdings genauso für Nicht-Akademiker.
Entscheidend ist am Ende nicht allein der Titel, sondern die Fähigkeit, Theorie, praktische Erfahrung, kritisches Denken und Menschlichkeit miteinander zu verbinden.
Vielleicht sollten wir genau dieses Thema in 40 Jahren noch einmal diskutieren. Dann würde mich Ihre Meinung nach jahrzehntelanger praktischer Tätigkeit im klinischen Alltag wirklich interessieren. 😉
Denn manche Dinge versteht man nicht allein aus Büchern oder Studien, sondern erst dann, wenn man komplexe Situationen über viele Jahre selbst erlebt, getragen und verantwortet hat.… mehr

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